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Die künstlerische Forschung an Universitäten

Text: Fernand Hörner | Bereich: Allgemeines zu „Kunst und Wissenschaft“

Übersicht: Die Ergebnisse einer Recherche zur Frage „An welchen deutschen Universitäten hat bislang eine Institutionalisierung der künstlerischen Forschung stattgefunden?“ werden mitgeteilt.

Wie steht es um die Institutionalisierung der künstlerischen Forschung und ihres englischen Pendants, der Artistic Research, an den deutschen Universitäten (Kunsthochschulen und Hochschulen für angewandte Forschung hier ausgelassen)? Zunächst ist auffällig, dass die Mehrheit der Universitäten keine Veranstaltungen bzw. Forschungsschwerpunkte im Bereich der künstlerischen Forschung aufweisen. In der Bundesrepublik Deutschland betrifft dies insgesamt 46 von 89 Universitäten, in Nordrhein-Westfalen 5 von 13 Universitäten.[1]/[2]

Eine Analyse der Selbstdarstellung der deutschen Universitäten legt dabei nahe, dass der Begriff „künstlerische Forschung“ unreflektiert weit gefasst wird, weit über den Fachbereich Kunst und künstlerische Praxis hinaus. Somit ist künstlerische Forschung an den Universitäten eher als eine Ergänzung in anderen Disziplinen verankert.

  • Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg: Fachbereich Architectural and Structural Engineering and Design. Dort wird künstlerische Forschung in Form einer „entwurfsbasierten Forschung“ betrieben. (Fakultät 6: Architektur, Bauingenieurwesen und Stadtplanung. Online hier abrufbar.)
  • Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF in Potsdam: Hier zielt künstlerische Forschung darauf ab, „die filmkünstlerische Praxis durch die Theorie zu überprüfen und umgekehrt“. („Forschung mit den Mitteln der Kunst (künstlerische Forschung)“. Online hier abrufbar.)
  • Institut für künstlerische Forschung: In Potsdam existiert auch seit 2009 das einzige explizit so benannte Institut für künstlerische Forschung, eine außeruniversitäre Einrichtung in Berlin, welche eng mit der Filmuniversität in Potsdam kooperiert.[3]/[4]/[5]
  • Universität Hildesheim: Eine eigene Professur ausschließlich für künstlerische Forschung[6] existiert lediglich an der Universität Hildesheim.[7] Sie verfügt als einzige Universität über eine Stiftungsprofessur Künstlerische Forschung (W1-Juniorprofessur, Dauer: fünf Jahre) und eine Künstlerische Gastprofessur (Stiftung Universität Hildesheim: Stiftungsprofessur Künstlerische Forschung. Online hier abrufbar).
  • Universität Weimar: In Bezug auf die Forschung kann einzig die Universität Weimar ein von der Europäischen Union gefördertes Projekt zur künstlerischen Forschung an der Fakultät Medien präsentieren (idw – Informationsdienst Wissenschaft: Die Europäische Union fördert künstlerische Forschung an der Professur Gestaltung medialer Umgebungen. Online hier abrufbar).
  • Universität der Künste Berlin (UdK): Von der UdK wird das Graduiertenkolleg Das Wissen der Künste als das „derzeit einzige strukturierte Promotionsprogramm an einer künstlerisch-wissenschaftlichen Hochschule“ beworben (Universität der Künste Berlin: Forschungsprofil. Online hier abrufbar).

Auch wenn die anderen Universitäten keine eigenen Institute oder Lehrstühle bzw. Professuren für künstlerische Forschung haben, zeigt sich doch eine Bestrebung zu Institutionalisierungen, die sich in der steigenden Zahl künstlerischer Bachelor-, Master- und Promotions-Studiengänge ausdrückt. Welche Intentionen die Universitäten aber mit dieser Fokussierung verfolgen, zeigt sich etwa an den Qualifikationszielen und der Profilbildung, so an der

  • Ernst Moritz Arndt – Universität Greifswald: Bachelor- und Masterstudiengang Bildende Kunst (Online hier abrufbar). Dort wird folgender Ansatz verfolgt:

„Weiterführend könnte eine stärkere Orientierung der Lehre im Bereich der künstlerischen Forschung (artistic research) zu größerer internationaler Anerkennung führen und dementsprechend die Außenwahrnehmung und die Stellung der Kunst innerhalb der Universität gefördert werden.“

Um es mit den Worten von Falk Rößler und Philip Schulte von der Universität Gießen zu sagen: „artistic research has economic value“[8].

Bislang wird diese Institutionalisierung aber eher so betrieben, dass sie nichts oder nicht viel kostet und trotzdem einen Mehrwert liefern soll. Mit den erwähnten Ausnahmen also hat die künstlerische Forschung kein eigenes Institut, sondern fungiert als Querschnittskompetenz. Auch Querschnitte durch den Sand oder aber Spuren von ufernahen Spaziergängen sind allerdings vom schnellen meeresseitigen Verwaschen bedroht.

Ein Anspruch auf Vollständigkeit wird nicht erhoben. Die Auflistung ist vielmehr auf sukzessive Vervollständigung durch w/k-Nutzer*innen angelegt: Weisen Sie mich bitte auf weitere Einrichtungen dieser Art hin:

▷ fernand.hoerner@hs-duesseldorf.de

Beitragsbild über dem Text: Bibliothek der Universität in Cottbus (2019). Foto: Michal Rudziak.


[1] Der Autor dankt Anna Ginster für wertvolle Recherchen.

[2] Dazu zählen die RWTH Aachen, die Universität Bielefeld, die Ruhr-Universität Bochum, die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und die Private Universität Witten/Herdecke.

[3] Kooperationsprojekte hier.

[4] MAZ vom 3.06.2015. Online hier abrufbar.

[5] !KF — Institut für künstlerische Forschung: www.artistic-research.de

[6] Der Verfasser ist an der Hochschule Düsseldorf Professor für Kulturwissenschaften, insbesondere sozio-, transkulturelle und künstlerische Forschung.

[7] Hochschulrektorenkonferenz: Forschungslandkarte „Profilbildende Forschung an Universitäten“.

[8] Justus-Liebig-Universität Gießen: GCSE Keynote Lectures. Online hier abrufbar.

Weitere Literatur

Bergermann, Ulrike: Occupy Wissen. Institutionalisierungsfragen zur „Forschung aller“. In: Peters, Sibylle (Hrsg.): Das Forschen aller. Artistic Research als Wissensproduktion zwischen Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft. Bielefeld 2014, S. 239–255. http://lib.myilibrary.com/detail.asp?id=631106.

García Düttmann, Alexander: Was weiß Kunst? Für eine Ästhetik des Widerstands. Konstanz 2015.

Klein, Julian: Was ist künstlerische Forschung? In: www.kunsttexte.de/Auditive Perspektiven 2 (2011), S. 1–5.

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