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„Kunst-und-Wissenschaft“ in anderen Medien – Teil IX

Text: Stefan Oehm | Bereich: Beiträge über Künstler

Übersicht: Kunst und Wissenschaft. Das klingt für viele so gegensätzlich wie Feuer und Wasser. Dabei sind sich beide so nahe wie Geschwister. Und das schon seit antiker Zeit. Was damals galt, gilt auch heute: Die Kunst sucht die Nähe der Wissenschaft – und die Wissenschaft die Nähe der Kunst. Und Stefan Oehm begibt sich in der Reihe „Kunst und Wissenschaft“ in anderen Medien auf die Spurensuche: nach Ausstellungen, Aufführungen, Büchern, Symposien und Zeitungsartikeln zum Thema.

Vorbemerkung des Herausgebers

Dies ist der neunte Teil von „Kunst und Wissenschaft“ in anderen Medien. Alle Teile stammen von Stefan Oehm. Er sucht in Zeitungen, im Radio, im Fernsehen, im Internet nach Beiträgen, die sich dem Großthema „Kunst und Wissenschaft“ zuordnen lassen. Die Hinweise sind nach dem folgenden Muster aufgebaut: Autor – Titel – Kurzdarstellung des Beitrags – Link zu weiteren Informationen. Die Zeitungsartikel sind in der Reihenfolge des Erscheinens geordnet, die Hinweise auf Ausstellungen hingegen in der Reihenfolge des Starts der Ausstellungen.

Die w/k-Nutzer werden um Mitwirkung gebeten: Wenn Sie auf weitere „Kunst und Wissenschaft“-Beiträge stoßen, so wenden Sie sich bitte an: stefan.oehm@betriebsbereit.de. Ihr Hinweis wird dann in der nächsten Runde dieser Reihe unter Nennung Ihres Namens veröffentlicht.

1. tx-mirror: Interaktive Installation

Der experimentelle Filmemacher Martin Reinhart entwickelte in den 1990er Jahren eine Filmtechnik, in der die Zeitachse (t) mit der Raumachse (x) vertauscht wird: tx-transform. In dieser Technik zeigt der Filmkader (framing) die gesamte Zeit, aber nur einen winzigen Teil des Raumes – bei Schnitten entlang der horizontalen Raumachse wird der linke Teil des Bildes zum Vorher, der rechte Teil zum Nachher des Films. Gemeinsam mit dem Multimedia-Künstler Virgil Widrich setzte er diese Technik 1998 erstmals filmisch um: in dem Kurzfilm tx-transform. Die auf der Ars Electronica Linz 2019 gezeigte, ursprünglich für die Ausstellung Kunst in Bewegung. 100 Meisterwerke mit und durch Medien im ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe konzipierte interaktive Installation tx-mirror stellt nun eine Weiterentwicklung dieser innovativen Technik dar. Mit Blick in einen magischen Spiegel wird unsere gewohnte, lieb gewonnene Wahrnehmung der Welt, unsere Sicht der Dinge infrage gestellt. Dabei erforschen wir intuitiv interagierend die Gesetze eines Universums, in dem Zeit und Raum vertauscht worden sind. (tx mirror: Interaktive Installation, Ars Electronica Linz 2019)

Info: Ars Electronica Linz 2019, Widrichfilm, tx-transform

2. Kunst trifft Wissenschaft: Podiumsdiskussion Berlin Science Week 2019

Am 6. November 2019 fand im Museum für Naturkunde im Rahmen der Berlin Science Week in Kooperation mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich) eine Podiumsdiskussion mit der Künstlerin Susanne M. Winterling und der Bioingenieurin Simone Schürle statt. Auf ihre je spezifische Weise als Künstlerin auf der einen und als Wissenschaftlerin auf der anderen Seite beschäftigen sich beide mit der Frage, wie Hindernisse innerhalb und außerhalb des Körpers überwunden werden können. Sie gehen zudem der Frage nach, was der Mensch von biolumineszierenden Bakterien (in chemischen Prozessen wird Energie in Form von Licht abgegeben) lernen kann. Über den Tellerrand ihrer eigenen Disziplin hinausblickend erforschen sie, wie die Wissenschaft die Kunst inspirieren kann oder zu welchen Gedanken Künstler*innen Wissenschaftler*innen animieren können, wie sie miteinander und mit der Gesellschaft kommunizieren. Im Herbst 2020 wird Susanne M. Winterling darüber hinaus im Projektraum der Schering Stiftung in Berlin das im kontinuierlichen Austausch mit Simone Schürle entstandene künstlerische Ergebnis ihrer Auseinandersetzung mit diesem Thema präsentieren. (Kunst trifft Wissenschaft – Berlin Science Week 2019, Podiumsdiskussion im Museum für Naturkunde am 6. November 2019)

Info: Kunst trifft Wissenschaft – Berlin Science Week 2019

3. Workshop: Windkanäle in den Wissenschaften und den Künsten

Am 07. und 08. November 2019 fand an der Leuphana Universität Lüneburg in Kooperation der Kollegforschungsgruppe Medienkulturen der Computersimulation (MECS) mit dem Forschungsschwerpunkt Transdisziplinarität (fsp-t) der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) ein Workshop zum Thema Windkanäle. Wissen, Politik und Ästhetik bewegter Luft statt. Ziel dieser Veranstaltung war es, plurale Perspektiven auf Windkanäle zu versammeln, um so die Verfasstheit von Windkanälen als epistemische und ästhetische Kippfiguren in Wissenschaften und Künsten zu beleuchten. Ausgangspunkt des Workshops war die Beobachtung, dass Windkanäle insbesondere Techniken der Simulation und der Visualisierung geprägt haben. Den Workshop begleiteten verschiedene Ausstellungen wie die der künstlerisch-wissenschaftlichen Forschungsgruppe Luftbilder/Lichtbilder (ZHdK). Zudem wurden im Forum grundlegende Fragen transdisziplinär diskutiert: Was geschieht, wenn das im Windkanal erzeugte Wissen seine Entstehungsumgebung in Laboren verlässt und gesellschaftliche Teilbereiche prägt – wie etwa in Krieg, Raumfahrt, Architektur oder Stadtplanung? Was, wenn Windkanäle und ihre spezifischen Medien und Techniken Teil künstlerischer Praxis werden? Wie wirkt das in Windkanälen produzierte Wissen wiederum auf die wissenschaftliche Forschung zurück? (Kunst trifft Wissenschaft – Berlin Science Week 2019, Podiumsdiskussion im Museum für Naturkunde am 6. November 2019)

Info: Kunst trifft Wissenschaft – Berlin Science Week 2019

4. E-WERK Luckenwalde: Kunststrom – Performance Electrics

Heute geht die Kunst manchmal Wege, wo gar keine sind. Wie in Gestalt des Performance-Künstlers Pablo Wendel, der 2012 die Performance Electrics gGmbH als gemeinnützigen Anbieter zur Produktion und Distribution von Kunststrom gründete. Strom, der auf vielfältige Art mit zahlreichen Projekten an wechselnden Standorten, mit temporären Aktionen im öffentlichen Raum ebenso wie mit dauerhaften Installationen produziert wird – Strom, der, eingespeist in das öffentliche Netz, über Performance Electrics bezogen werden kann. Designer, Architekten, Künstler und Kunsthistoriker beteiligen sich an verschiedenen Standorten wie Berlin, Stuttgart, Brüssel oder São Paulo an dem Projekt, agieren dabei an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Politik, Kultur und Wissenschaft. So entsteht ein Netzwerk, das Energien zwischen Kunst, Technologie und Wirtschaft transferiert und synthetisiert: eine performative Verknüpfung von Kunstprojekt und Stromanbieter, bei der die Gewinne vollständig in den Ausbau neuer kreativer Energien reinvestiert werden. Wie zum Beispiel in die Auftaktveranstaltung zu Grey Energy III im Kunstzentrum des ehemaligen Braunkohlekraftwerks Luckenwalde von 1913: POWER NIGHT 2020. Gastkuratorin des Performance-Events anlässlich der Berlin Art Week ist Lucia Pietroiusti, Kuratorin General Ecology der Serpentine Galleries, London, wie auch des mit dem Goldenen Löwen ausgezeichneten litauischen Pavillons auf der 58. Biennale von Venedig Sun & Sea (Marina). (Kunstzentrum E-WERK Luckenwalde, Grey Energy 2020, von Samstag, 12. September 2020 – 18. Januar 2021)

Info: E-WERK Luckenwalde – Kunststrom für alle, Performance Electrics

5. Museum Folkwang: Der montierte Mensch

120 Jahre Kunstgeschichte mit mehr als 200 Werken von über 100 Künstlerinnen und Künstlern, die sich mit dem ambivalenten Verhältnis von Mensch und Maschine auseinandersetzen. Dies sind die beeindruckenden Eckdaten einer nicht minder beeindruckenden medienübergreifenden Ausstellung, die das Museum Folkwang vom 08. November 2019 bis zum 15. März 2020 präsentierte: Der montierte Mensch. Ausgehend von der aktuellen Diskussion zur Künstlichen Intelligenz und Digitalisierung wurde in 18 Kapiteln ein Bogen geschlagen, der alle nur denkbaren Facetten des Umgangs mit der Thematik zeigte. Dies reicht von der unkritischen Euphorie der Futuristen und dem Glauben an den Sieg des Tempos und der Technik bis zur panischen Angst vor dem Staat als Megamaschine und der Entmenschlichung durch omnipräsente Kriegs- und Überwachungstechnologie. Und vom verspielten Umgang mit all den neuen Möglichkeiten, die die Kybernetik den Künstlern eröffnete, bis zur Dystopie einer transhumanistischen Welt, in der der Mensch die Kontrolle verloren hat und durch die von ihm geschaffenen Maschinen ersetzt wird. (Museum Folkwang, Der montierte Mensch, Zwischen Fortschrittsglaube und Kontrollverlust, 08. November 2019 – 15. März 2020)

Info: Museum Folkwang – Der montierte Mensch

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Beitragsbild über dem Text: Unbekannter Autor (2016). Urheberrecht: Creative Commons CC0.

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