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„KLANGLICHT – sound of light“: Ein audiovisuelles Kunstprojekt lässt die Vision des „Hörens mit Licht“ erleben

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Übersicht: Ein interdisziplinäres Team aus Wissenschaft, Audiologie und Kunst hat unter der Leitung der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) ein Konzept des visionären optogenetischen Hörens in ein ästhetisch erfahrbares Format übersetzt. Das Ergebnis ist ein experimentelles audiovisuelles Projekt im Stil eines Musikvideos, das die technologischen und emotionalen Dimensionen des sogenannten „Hörens mit Licht“ audiovisuell inszeniert.

KLANGLICHT (2025). Foto: Boris Seewald.
KLANGLICHT (2025). Foto: Boris Seewald.

Von der Idee über die Forschung zum KLANGLICHT

Das Kunstprojekt basiert auf einer Idee, die derzeitig wirkungsvollen Technologien zur apparativen Hörrehabilitation bei Taubheit mit der Vision für zukünftige Weiterentwicklungen zu verknüpfen und in die Gesellschaft zu tragen. Darüber hinaus soll den Zuhörer*innen die aktuelle Göttinger Forschung zur Wiederherstellung des „Hörens mit Licht“ verständlicher gemacht werden.

Wie klingt es, wenn jemand nach Jahren hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit zum ersten Mal wieder hört? Wie fühlt es sich an, wenn neue Technologien die Welt des Klangs klarer und differenzierter erlebbar machen als zuvor? Das eigens komponierte Musikstück beginnt mit einer Explosion von zunächst fragmentierten Klängen, Rhythmen und verzerrten Sprachpassagen, die das Wiedererlangen des Hörens durch ein elektrisches Cochlea-Implantat (eCI) symbolisiert. Im Verlauf des Musikstücks gehen diese Klänge in einen wesentlich klareren und emotionsvolleren Musikpart über, wodurch die Zuhörenden eine völlig neue Sinneswelt erleben. Dies soll die Möglichkeiten des „Hörens mit Licht“ durch ein mögliches zukünftiges optisches Cochlea-Implantat (oCI) darstellen. Dieses wird in langjähriger Forschungsarbeit in Göttingen entwickelt. Die Vision eines optogenetischen Cochlea-Implantats ist es, durch eine fokussierbare Lichtstimulation eine präzisere Nutzung der tonotopen Frequenzgliederung der Cochlea und damit einen natürlicheren Klangeindruck zu erzielen als mit dem bisher erfolgreich eingesetzten elektronischen Cochlea Implantat. Ziel, Sprache differenzierter, emotionale Nuancen besser, und Musik natürlicher wahrzunehmen.

KLANGLICHT (2025). Foto: Boris Seewald.
KLANGLICHT (2025). Foto: Boris Seewald.

Aus dem Zusammenwirken aller Akteure ist ein rund zweieinhalbminütiges Musikvideo entstanden, das als metaphorisch-abstrakte Darstellung des (Wieder-) Hörens konzipiert ist. Komponist Ralf Hildenbeutel entwickelte ein musikalisches Narrativ, das sich von chaotisch-fragmentierten Klang- und Sprachpartikeln zu einer klaren, emotional aufgeladenen Komposition entfaltet – analog zur Transformation vom Hören mit konventionellem Implantat hin zur angestrebten Klangdimension mittels optogenetischer Technologie.

KLANGLICHT (2025). Foto: Boris Seewald.
KLANGLICHT (2025). Foto: Boris Seewald.

Die visuelle Ebene – unter der Regie des renommierten Videokünstlers Boris Seewald – verbindet abstrakte Lichtanimationen, rhythmische Tanzeinlagen und über 2.500 handgezeichnete Einzelbilder zu einer synästhetischen Erfahrung. Die Klänge erscheinen nicht nur hörbar, sondern sichtbar – als oszillierende Lichträume, die mit dem Rhythmus der Musik verschmelzen.

KLANGLICHT (2025). Foto: Boris Seewald.
KLANGLICHT (2025). Foto: Boris Seewald.

Die wissenschaftlichen Grundlagen für das Kunstprojekt – Made in Göttingen

Die Grundlage des Projekts bildet die aktuelle Forschung an der UMG, dem Else Kröner -Fresenius-Zentrum für Optogenetische Therapien (EKFZ OT), dem Exzellenzcluster Multiscale Bioimaging (MBExC), dem Sonderforschungsbereich 1690 (SFB1690) sowie dem Deutschen Primatenzentrum – Leibniz-Institut für Primatenforschung (DPZ). Die Wissenschaftler*innen beschäftigen sich mit der Entwicklung ein neues Cochlea-Implantats, das nicht wie herkömmliche elektrische Systeme über Stromimpulse, sondern über feindosierte Lichtreize akustische Informationen übertragen soll. 

Zu den Personen

Die künstlerische Leitung des Projekts lag bei Jenny Blum, Audiologin an der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde der Universitätsmedizin Göttingen. Sie initiierte die Umsetzung und trieb das Konzept über 1 ½ Jahre hinweg voran. Ihr Ziel ist es dabei gewesen, dieses komplexe medizinisch-technologisches Thema erfolgreich in die gesellschaftliche Wahrnehmung zu überführen.

Prof. Dr. Tobias Moser ist Direktor des Instituts für Auditorische Neurowissenschaften der UMG sowie Sprecher des EKFZ OT und des MBExC. Er sieht den Erfolg dieses spannenden Projektes darin, dass es auf eine einzigartige Weise gelungen ist, den frischen Mut, den Schwung und die freudige Erwartung der Forschenden für ein besseres Hören einzufangen.

Boris Seewald ist ein preisgekrönter Videoregisseur. Er behandelt Film als visuelle Choreografie und komponiert Bilder in einem rhythmischen Fluss, der Musik und Ton ergänzt und erweitert. Mit einer Vorliebe für das Experimentelle kombiniert er verschiedenste Filmtechniken und verbindet abstrakte Animation und Malerei mit Realfilm. Seine Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet – unter anderem mit dem Cinedans Dioraphte Jury Award, dem Promax Gold Award und einer Nominierung für den Deutschen Kamerapreis.

Ralf Hildenbeutel ist Produzent und Filmkomponist, dessen eklektischer Stil von seiner klassischen Ausbildung und seiner Leidenschaft für elektronischer Musik geprägt ist. In den Neunziger Jahren war er maßgeblich an der Entstehung des Musikstils Trance beteiligt, arbeitete mit Sven Väth an dessen wichtigsten Alben zusammen und tourte mit seinem elektronischen Projekt „Earth Nation“ durch Europa und trat unter anderem auf dem Montreux Jazz Festival oder in der Londoner Brixton Academy auf. Sein Fokus liegt seit Jahren auf der Filmmusik und er arbeitete an unzähligen nationalen und internationalen Produktionen wie „Vincent will meer“, „Maltese“ (RAI), „Supersex“ (Netflix) oder „Everybody Loves Diamonds“ (Amazon Prime).

Klanglicht (2025). Foto: Frank Stefan Kimmel.
Klanglicht (2025). Foto: Frank Stefan Kimmel.

Weitere Informationen:
Audiovisuelles Kunstprojekt „KLANGLICHT – sound of light“: https://www.youtube.com/watch?v=lgj6sDYWt6o
Exzellenzcluster „Multiscale Bioimaging: Von molekularen Maschinen zu Netzwerken erregbarer Zellen“ (MBExC): www.mbexc.de
Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Optogenetische Therapien (EKFZ OT): https://ekfz.uni-goettingen.de/
Sonderforschungsbereich (SFB) 1690 „Krankheitsmechanismen und funktionelle Wiederherstellung sensorischer und motorischer Systeme“: https://sfb1690.uni-goettingen.de/

 

Zitierweise

Till Bödeker (1025): „KLANGLICHT – sound of light“: Ein audiovisuelles Kunstprojekt lässt die Vision des „Hörens mit Licht“ erleben. w/k - Zwischen Wissenschaft & Kunst. https://doi.org/10.55597/d20131