Nicola und Thomas Giesen | Bereich: Frühe Verbindungen zwischen Wissenschaft und (bildender) Kunst
Übersicht: Im Zentrum von Teil 2 steht die digitalisierte Fassung des Begleithefts zum Aktionsabend. Hinzu kommen Nicola und Thomas Giesens Erinnerungen an die Entstehung des Hefts und Peter Tepes Charakterisierung seiner künstlerischen Produktion 1989–1992.
Zur Entstehung des Begleithefts
Dass beim Aktionsabend ein anspruchsvoll gestaltetes Begleitheft verteilt werden konnte, ist Nicola Ost (später Giesen) und Thomas Giesen zu verdanken, die das Projekt auf ungewöhnlich engagierte und großzügige Weise unterstützten. Ihre Erinnerungen werden in Form eines Dialogs präsentiert.
Über mehrere Semester fand Anfang der 1990er Jahre Tepes Kolloquium Neues von den Künsten statt, das ich regelmäßig besuchte.
Ich nahm gelegentlich teil: bei Kunstausstellungen, Theateraufführungen, Besprechungen von Filmen. Damals studierte ich Fotografie an der Folkwang Schule in Essen.
Mein Vater war auch Fotograf, und ich stieg zu dieser Zeit in sein Foto-Studio in Düsseldorf-Derendorf auf der Weißenburgstraße mit ein. Mit der neuen digitalen Fotografie wollte sich mein Vater, der sich dann nach und nach zurückzog, nicht mehr auseinandersetzen – diesen Bereich baute ich auf.
Irgendwann im Jahr 1992 berichtete Tepe im Kolloquium vom geplanten Aktionsabend. Wir kamen ins Gespräch und boten schließlich – als wir vom schwer zu realisierenden Plan eines Begleithefts erfuhren – unsere Mitarbeit an.
Mit meinem Transporter holte ich Tepes neue künstlerische Arbeiten, die von 1989–1992 entstanden waren, ab und fotografierte sie im Studio.
Für die Layoutarbeiten waren wir beide zuständig. Die Texte und auch einige Fotos wurden von den Mitwirkenden (Chris Scholl, Peter Tepe, Drums off Chaos, Karim Zendagui) geliefert.
Die Digitalisierung des Begleithefts, das nachfolgend zu sehen ist, wurde 2024 in meiner Firma vorgenommen.
Sperrung des Bunkersaals
Im Vorwort des Begleithefts wird der Schwarze Freitag als „Probelauf für eine Veranstaltungs-Reihe“ dargestellt: „In jedem Jahr soll mindestens ein Aktionsabend stattfinden, der verschiedene Kunstformen zum Zuge kommen läßt.“ Der Hauptgrund dafür, dass dieser ambitionierte Plan nicht realisiert werden konnte, ist darin zu sehen, dass die Stadt als Eigentümerin aus Gründen des Feuerschutzes keine Veranstaltungen im großen Dachraum des Bunkers mehr zuließ. Der Werstener Bunker hörte dadurch mit einem Schlag auf, ein Ort für Veranstaltungen zu sein – er wurde reduziert auf die Proberäume für Musikerinnen und Musiker sowie die Kunst-Ateliers.
Peter Tepe: Meine künstlerische Produktion 1989–1992
In dieser Phase knüpfte ich hinsichtlich der Vorgehensweise an die Akademiezeit an, setzte aber thematisch neue Akzente. Zu den sich auswirkenden Hintergründen der wiederaufgenommenen künstlerischen Arbeit gehörten die Heirat 1987, der Umzug in das eigene Haus im April 1989 und die Geburt unseres ersten Sohnes Mauritz im Mai desselben Jahres sowie die Arbeit am Buch Mein Nietzsche, das 1993 im Wiener Passagen Verlag erschienen ist. Den großen Keller, der in den ersten Jahren noch weitgehend leer war, konnte ich für die künstlerische Arbeit nutzen – durch den Umzug eröffnete sich so ein schon längere Zeit ersehnter Freiraum.
Viele Bilder verwenden vergrößerte Schwarz-Weiß-Kopien von Fotos als Grundlage. Im Zentrum steht somit inhaltlich, wenn man von der Nietzsche-Serie einmal absieht, die Familie – ein Novum in meiner künstlerischen Entwicklung. Mit den während des Kunststudiums entwickelten Bespannungen, die häufig an Schrauben auf Rohspanplatten befestigt sind, ging ich frei um.
Von 1989 an setzte ich in den Bildern häufig handschriftliche Exzerpte aus meiner Studentenzeit, die ästhetisch reizvoll sind, ein. Das ist noch keine Verbindung zwischen dem Wissenschaftler und dem Künstler, denn ich war als Student kein eigenständig arbeitender Wissenschaftler.
Meine künstlerische Arbeit verlief in dieser Phase parallel zu den Aktivitäten in der kunstbezogenen Wissenschaft. Vorläufer der bei mir vorliegenden Konstellation – Grenzgänger, der Innovationen in der kunstbezogenen Wissenschaft mit der künstlerischen Tätigkeit verbindet – sind mir (bislang) nicht bekannt.
Angaben zum Beitragsbild: Plakat des Aktionsabends (1992). Foto: Till Bödeker.
Zitierweise
Peter Tepe (2024): 35 Jahre Verbindungen zwischen Wissenschaft und Kunst: Aktionsabend 1992, Teil 2. w/k - Zwischen Wissenschaft & Kunst. https://doi.org/10.55597/d19370

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